Kein Überraschungsmoment
Der Maestral baut sich jeden Tag zur selben Zeit auf – und legt sich ebenso zuverlässig ab. Wer einmal mit ihm gesegelt ist, plant den nächsten Törn automatisch nach seinem Rhythmus.

Der Maestral ist ein klassischer Thermikwind oder Seewind: Das dalmatinische Festland und die Kalksteininseln heizen sich unter der Sommersonne stark auf – deutlich schneller als das Adriawasser. Die warme Landluft steigt auf, kühle Meeresluft strömt vom Nordwesten nach – der Maestral setzt ein.
Dieser Prozess wiederholt sich von Mai bis September fast täglich und folgt einem verlässlichen Tagesrhythmus: Ruhe am Morgen, Aufbau bis 11 Uhr, Höhepunkt am frühen Nachmittag, Abflauen nach Sonnenuntergang. Für Segler bedeutet das absolute Planbarkeit.
Je heißer der Tag, desto stärker der Maestral – in Hochsommertagen kann er durchaus 5 bis 6 Beaufort erreichen. An bewölkten Tagen mit schwächerem Wärmegradienten bleibt er schwach oder bleibt ganz aus.

Kein Wettermodell nötig: Der Maestral folgt der Sonne. Diesen Rhythmus sollte jeder kennen, der auf der Adria segelt.
| Uhrzeit | Windzustand | Törnplanung |
|---|---|---|
| 06:00 – 09:00 | Windstille / schwach | Ruhige See, ideal für Hafenmanöver |
| 09:00 – 11:00 | Aufbau | 1–2 Bft, erste Kräuselwellen |
| 11:00 – 14:00 | Voll entwickelt | 3–4 Bft, schöne Segelfahrt |
| 14:00 – 17:00 | Höhepunkt | 4–5 Bft, lebhafter Seegang |
| 17:00 – 20:00 | Abschwächung | Einlaufen, Anker setzen |
| ab 20:00 | Windstille / Nachtbrise | Ruhige Nacht vor Anker |
Der Maestral baut sich jeden Tag zur selben Zeit auf – und legt sich ebenso zuverlässig ab. Wer einmal mit ihm gesegelt ist, plant den nächsten Törn automatisch nach seinem Rhythmus.
3 bis 5 Beaufort ist der Traumbereich für Segelkatamarane: genug Wind für Fahrt und Krängung, nicht genug für Seekrankheit oder unkontrollierten Seegang. Der Maestral landet dort fast täglich.
Der Maestral weht von der Küste aufs Meer – die Wellen haben wenig Zeit aufzubauen. Der Seegang bleibt kurz und übersichtlich, ganz anders als beim Jugo mit seinem Tiefdruckseegang.
Sobald sich das Land abkühlt, stirbt der Maestral. Ankerplätze, die tagsüber von 4 Bft bewegt werden, liegen abends oft spiegelglatt. Ruhige Nächte vor Anker sind mit dem Maestral fast garantiert.
Der Maestral ist der angenehmste der drei Hauptwinde. Er ist thermisch, tagsüber begrenzt und verlässlich. Die Bora dagegen ist katabatisch, winterlastig und böig – sie kann ohne viel Vorwarnung mit Sturmstärke einsetzen.
Der Jugo ist das Gegenteil: warm, langsam aufbauend, aber ausdauernd. Was ihn gefährlicher als den Maestral macht, ist sein langer Seegang – nicht die Windstärke selbst, sondern das Rollen, das er bringt und das nach dem Wind noch stundenlang anhält.
In der Segelhauptsaison von Mai bis September dominiert der Maestral. Bora und Jugo sind seltener, aber Segler sollten ihre Warnsignale kennen.

Früh am Morgen bei Windstille ablegen, mit dem aufbauenden Maestral Kurs aufnehmen und früh am Nachmittag die Zielbucht ansteuern – bevor es zu lebhaft wird. Klassischer Tagesrhythmus auf der Adria.
Da der Maestral von Nordwesten weht, ist der Kurs von Nord nach Süd – also beispielsweise von Šibenik in Richtung Kornaten oder Lastovo – ein angenehmes Halbwindssegeln. Zurück geht es morgens motortörnend.
An raumschots Kursen entwickelt ein Katamaran auf Maestral die besten Geschwindigkeiten. Direkt am Wind ist die Luvseite der Inseln oft geschützt und windärmer – dort liegen die ruhigsten Ankerbuchten.
In der Nebensaison ist der Maestral etwas moderater (3–4 Bft) und die Häfen deutlich leerer. Juli und August bringen zuverlässigere Winde, aber auch mehr Verkehr auf dem Wasser.
Auf einem Kroatien-Törn begegnet euch früher oder später auch die Bora oder der Jugo. Die eigenen Seiten erklären ihre Entstehung, Warnsignale und Tipps.
Die Miss Moneypenny liegt in der Marina Mandalina bei Šibenik – genau dort, wo der Maestral jeden Sommer zuverlässig aufbaut.

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