Dramatische Küstenlandschaft bei aufkommender Bora in Kroatien
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Winde Kroatiens

Bora – Kroatiens wilder Fallwind aus dem Norden

Kalt, böig und unberechenbar: Die Bora stürzt über das Dinarische Gebirge und trifft die Adria mit Böen bis 10 Beaufort. Was Segler wissen müssen.

Von Dominik · Co-Eigner der Miss Moneypenny
Aktualisiert Juni 2026 · Segler seit dem 14. Lebensjahr – mehrere Wochen im Jahr auf der kroatischen Adria.
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Katabatischer Fallwind

Wie die Bora entsteht – Physik des Fallwinds.

Die Bora ist ein katabatischer Wind – das bedeutet, sie fließt bergab. Kalte, schwere Kontinentalluft staut sich hinter dem Dinarischen Gebirge auf und bricht über die Bergkämme auf die Küste herab. Je höher der Druckunterschied zwischen Festland und Adria, desto stärker die Bora.

Dieses Fallen der Luftmasse beschleunigt den Wind extrem: Spitzenwerte von 10 Beaufort in Böen sind im Winter nicht selten, in Extremfällen – bekannt vor allem bei Split und Senj – auch deutlich mehr. Im Sommer ist die Bora seltener und schwächer, aber auch dann kann sie ohne viel Vorwarnung einsetzen.

Was die Bora so anspruchsvoll macht, ist ihre Böigkeit: Der mittlere Wind kann moderat sein, aber die Böen sind deutlich stärker und kommen in kurzen Abständen. Zwischen zwei Böen kann das Meer täuschend ruhig wirken.

Nordostkatabatischböig & kalthäufiger im Winter
Segelboot auf der Adria
Steckbrief

Bora auf einen Blick.

RichtungNordost (NO)
TypKatabatisch (Fallwind)
TemperaturKalt, trocken, klar
AufbauSchnell bis plötzlich
Stärke4–10+ Beaufort in Böen
Dauer1–5 Tage
SeegangKurz, steil, schnell abklingend
HäufigkeitHäufiger im Winter, seltener im Sommer
Frühwarnung

Warnsignale der Bora erkennen.

Die Bora kündigt sich oft schneller an als der Jugo – aber es gibt immer Zeichen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss.

Wolkenmützen auf den Bergen

Das klassische Vorzeichen: Auf den Kämmen des Dinarischen Gebirges bilden sich linsenförmige Wolken, während der Himmel sonst klar bleibt. Diese Rotor-Wolken entstehen, wenn Kaltluft über die Bergkanten gespült wird.

Plötzliche Sichtverbesserung

Unmittelbar vor der Bora kann die Sicht paradoxerweise ausgezeichnet sein – die Luft wird kristallklar. Dieses typische 'Bora-Licht' mit scharfen Konturen ist ein bekanntes Vorzeichen.

Steigendes Barometer

Anders als beim Jugo steigt der Luftdruck vor einer Bora schnell an. Schnell steigende Tendenz in Kombination mit Abkühlung und nördlicher Windkomponente bedeutet: Bora nähert sich.

Kälteschub aus Nordost

Eine plötzliche Abkühlung der Luft aus Nordost ist der unmittelbare Vorbote. Binnen Minuten kann der Wind von 2 auf 8 Beaufort springen. Wer diesen Kälteschub spürt, hat oft keine Zeit mehr für einen Hafenwechsel.

Schutz suchen

Bora-sichere Häfen und Ankerbuchten.

Nicht jeder Hafen schützt gleichgut – diese Liegeplätze im Šibeniker Revier bieten auch bei starker Bora Schutz.

Telašćica (Dugi Otok)

Die weitläufige Bucht auf Dugi Otok gilt als der beste natürliche Schutzhafen der Region. Die umliegenden Hügel brechen die Bora, der Ankergrund ist gut, und es gibt genug Platz für viele Boote.

Šibeniker Kanal

Der schmale Kanal zwischen Šibenik und der Küste schützt durch seine Geometrie gut vor Nordostwinden. Marina Mandalina und die Stadtmarina Šibenik sind auch bei starker Bora zuverlässige Liegeplätze.

Primošten & Rogoznica

Die Häfen südlich von Šibenik, besonders Primošten und Rogoznica, liegen so, dass die Bora von Landmassen gebrochen wird. Gute Abdeckung aus Nordosten ist das wichtigste Kriterium.

Süd- und Westseiten der Inseln

Buchten auf der Süd- oder Westseite von Inseln sind generell bora-geschützt. Die Nordostseiten meiden – dort trifft die Bora ungefiltert auf, und der Seegang kann in Buchten einlaufen.

Katamaran liegt sicher in geschützter Bucht
Sommer vs. Winter

Bora im Sommer: seltener, aber nicht ungefährlich.

Die stärksten Bora-Ereignisse treten im Winter auf, wenn kalte Kontinentalluft mit hohem Druck über dem Balkan gegen warme Adrialuft stößt. Im Sommer fehlt dieser extreme Druckgradient – die Bora kommt, aber schwächer.

Trotzdem: Auch eine Sommer-Bora kann kurzfristig 6–7 Beaufort erreichen. Was sie im Sommer besonders heimtückisch macht, ist der Kontrast: Die meisten Tage sind Maestral und Ruhe, dann kommt plötzlich ein Nordostschlag. Wer nur mit dem Maestral vertraut ist, wird von der Bora überrascht.

Nach der Bora liegt der Seegang schnell. Innerhalb von 3–6 Stunden nach dem Ende beruhigt sich die See deutlich – ganz anders als nach dem Jugo, dessen Seegang noch stundenlang rollt.

Sommer: seltener & schwächerSeegang klingt schnellklar & kalt nach Bora
An Bord

Was tun bei Bora?

Frühzeitig Liegeplatz sichern

Wenn Bora angesagt ist: sofort Liegeplatz reservieren. Bei starker Bora verlassen keine Boote mehr den Hafen, und alle suchen gleichzeitig Schutz. Wer früh ist, hat die Wahl.

Festmacher prüfen und verdoppeln

Im Hafen alle Leinen auf Zustand und Führung prüfen. Springleinen verdoppeln, Stopper einsetzen. Die Bora trifft Hafenanlagen oft von einer ungewohnten Richtung – keine Selbstverständlichkeit der Belastung.

Keine Ausfahrten bei Sturmwarnung

Bei Böen über 7–8 Beaufort auf offener See nicht auslaufen. Die Bora ist in Böen gefährlich – zwischen den Böen kann das Meer ruhig wirken, dann kommt der nächste Schlag. Nicht täuschen lassen.

Schnelles Abklingen nutzen

Die Bora klingt oft schnell ab. Wenn die Wettervorhersage das Ende ankündigt und Böen nachlassen, ist der Seegang binnen 3–6 Stunden oft deutlich beruhigt. Flexibel auf das Ende warten.

Häufige Fragen

Bora – kurz beantwortet.

Die Bora erreicht in Böen 4 bis über 10 Beaufort. Am stärksten ist sie im Winter, wenn Spitzen von 10 Beaufort keine Seltenheit sind; im Sommer ist sie seltener und schwächer, kann aber kurzfristig 6 bis 7 Beaufort erreichen. Charakteristisch ist die Böigkeit: Zwischen zwei Böen kann das Meer täuschend ruhig wirken.
Typische Warnsignale sind linsenförmige Wolkenmützen auf den Kämmen des Dinarischen Gebirges, eine plötzlich kristallklare Sicht (das „Bora-Licht“), ein schnell steigendes Barometer sowie ein Kälteschub aus Nordost. Binnen Minuten kann der Wind von 2 auf 8 Beaufort springen.
Als besonders bora-sicher gelten die weitläufige Bucht Telašćica auf Dugi Otok, der Šibeniker Kanal mit Marina Mandalina und der Stadtmarina sowie die Häfen Primošten und Rogoznica südlich von Šibenik. Generell schützen Buchten auf der Süd- und Westseite von Inseln; die Nordostseiten sind zu meiden.
Eine Bora hält typischerweise 1 bis 5 Tage an. Sie klingt oft schnell ab: Lassen die Böen nach, beruhigt sich der kurze, steile Seegang meist schon innerhalb von 3 bis 6 Stunden – anders als beim Jugo, dessen Seegang noch stundenlang rollt.
Frühzeitig einen Liegeplatz sichern, denn bei starker Bora suchen alle gleichzeitig Schutz. Im Hafen die Festmacher prüfen und verdoppeln. Bei Böen über 7 bis 8 Beaufort nicht auf offene See auslaufen – und das schnelle Abklingen nach dem Ende für die Weiterfahrt nutzen.
Alle Winde der Adria

Maestral und Jugo kennenlernen.

Die Bora ist der anspruchsvollste der drei Hauptwinde. Der Maestral ist ihr freundliches Gegenstück, der Jugo das ausdauernde Gegenteil.

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Miss Moneypenny

Sicher durch jedes Wetter.

Die Miss Moneypenny liegt in der Marina Mandalina – gut geschützt im Šibeniker Kanal, der auch bei Bora zuverlässig Schutz bietet.

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